São Paulo


São Paulo
São Paulo
 
[sãu̯m'pau̯lu],
 
 1) Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates und größte Stadt Brasiliens, 750-850 m über dem Meeresspiegel, in einem flachen Becken des Rio Tietê, (1996) 9,839 Mio. Einwohner (1934: 1 Mio., 1950: 2,04 Mio., 1970: 5,19 Mio.), in der städtischen Agglomeration (8 053 km2) mit 37 weiteren Städten (1996) 16,583 Mio. Einwohner. São Paulo ist das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum Brasiliens, mit Erzbischofssitz, zwei staatliche Universitäten, katholischen und anderen privaten Universitäten, Fachhochschulen, wissenschaftliche Akademien, Institut für Geschichte und Geographie, serotherapeutisches Institut Butantan u. a. wissenschaftliche Instituten, lateinamerikanisches Kulturzentrum, Goethe-Institut u. a. ausländische Kulturzentren (auch deutsche Schulen), Bibliotheken, Museen, Theater, botanischer Garten, Zoo.
 
Mit dem Kaffeeanbau im Staat São Paulo (ab 1860), dem Beginn der Industrialisierung (Ende des 19. Jahrhunderts) und des Baumwollanbaus (1929) setzte der wirtschaftliche Aufschwung der Stadt ein, die 1890 erst 70 000 Einwohner hatte. São Paulo profitierte stark von der in den 1880er-Jahren einsetzenden Masseneinwanderung von Italienern, Portugiesen und Spaniern, daneben auch Deutschen und Japanern; dadurch wurde der Anteil der ehemaligen vorherrschenden Schwarzen und Mischlinge stark zurückgedrängt (noch etwa 10 %). Heute ist São Paulo die führende Industriestadt Brasiliens und das größte industrielle Zentrum Lateinamerikas mit Kraftfahrzeug-, chemische, elektronische, Eisen- und Stahl-, Kunststoff-, pharmazeutische, Textil- und Bekleidungs-, Nahrungs- und Genussmittel-, Maschinen-, Holz- und Papierindustrie. Viele deutsche Groß- und Mittelbetriebe haben in São Paulo Tochterfirmen gegründet. Ferner sind Film- und Fernsehstudios entstanden.
 
Die industrielle Standortkonzentration in São Paulo hat zu einer sehr hohen Binnenwanderung (heute viel wichtiger als Einwanderung), sowohl aus Nordostbrasilien als auch aus dem Südosten, Süden und v. a. auch dem Innern des Staates São Paulo geführt, die trotz industriellem Ansiedlungsstopp, Dezentralisierungsbemühungen, erschöpfter Arbeitsplatzkapazität bis heute nicht aufgehört hat. Das hypertrophe Wachstum von São Paulo, einer der am schnellsten wachsenden Metropolen Lateinamerikas, hat zu ausgedehnten Elendsvierteln, stärkster Infrastrukturbelastung (v. a. im Verkehr, bei Energie- und Wasserversorgung) sowie extremer Umweltverschmutzung (infolge fehlender oder ungenügender Auflagen für die Industrie) geführt. Eine Untergrundbahn ist seit 1974 in Betrieb (im Ausbau). São Paulo hat einen internationalen (Guarulhos; eröffnet 1985) und zwei nationale Flughäfen, ist durch Autobahnen und Eisenbahn mit dem Hafen Santos und mit Rio de Janeiro sowie mit dem Innern des Staates S. P. verbunden.
 
 
Am Ort der ersten Missionsstation wurde 1922 in traditioneller Bauweise das Kloster São Bento errichtet. Die Stadt ist eine moderne, in großen Teilen von Hochhäusern geprägte Metropole. Die neugotische Kathedrale wurde 1954 fertig gestellt. R. Levi, J. Guedes, O. Niemeyer errichteten bedeutende Bauten in internationaler Formensprache. Im Ibirapuera-Park entstand 1951-54 beispielhafte moderne brasilianische Architektur (Palast der Industrie, Museum für zeitgenössische Kunst mit Werken von P. Picasso, A. Modigliani u. a.). Das Museu de Arte de São Paulo (1968 eröffnet) beherbergt eine bedeutende Gemäldesammlung, das Museum für Sakralkunst Werke brasilianischer Künstler. 1991 wurde die »Casa das Rosas« eröffnet, die die staatliche Kunstgalerie (brasilianische Kunst) beherbergt. Nach Plänen von O. Niemeyer entstand das neue lateinamerikanische Kulturzentrum (1998 eingeweiht).
 
 
São Paulo, 1554 von portugiesischen Jesuiten als Missionsstation gegründet, wurde 1683 anstelle von São Vicente Hauptstadt des Kapitanats São Paulo (bis dahin Kapitanat São Vicente) und 1711 Stadt. 1822 erklärte Kaiser Peter I. in São Paulo Brasiliens Unabhängigkeit von Portugal.
 
 
M. L. Marcilio: La ville de S. P. Peuplement et population, 1750-1850 (Rouen 1973);
 H. Wilhelmy u. A. Borsdorf: Die Städte Südamerikas, Tl. 2 (1985).
 
 2) Bundesstaat in Südostbrasilien, 248 809 km2, (2000) 36,97 Mio. Einwohner (Paulistaner, »Mamelucos«), darunter viele italienische, portugiesische, spanische, deutsche, japanische u. a. Einwanderer. Hauptstadt ist São Paulo.
 
Der küstenparallelen, durchschnittlich 800 bis 1 200 m hohen Serra do Mar (bis 2 058 m über dem Meeresspiegel), die zum Teil steil zum Atlantik abfällt, ist eine im Norden schmale, im Süden etwas breitere Küstenebene vorgelagert. Nach Westen fällt eine Hochfläche sanft zum Paraná ab. Die Jahresniederschläge nehmen vom Küstengebirge (bis 2 000 mm) ins Innere ab (1 000-1 500 mm). Die ursprünglich dichten tropischen Wälder des Hochlands sind weitgehend gerodet, das Land kultiviert. São Paulo ist eines der wichtigsten Agrargebiete Brasiliens. Der früher vorherrschende, noch immer bedeutende Kaffeeanbau ist nach Erschöpfung der Böden zurückgegangen. Die aufgegebenen Flächen werden als Viehweiden mit Milchwirtschaft genutzt. Beim Anbau von Baumwolle und Zuckerrohr steht São Paulo an erster Stelle in Brasilien. Ferner werden Mais, Maniok, Reis, Bananen, Erdnüsse, Tomaten, Kartoffeln, Tabak, Tee und Zitrusfrüchte angebaut. Die Vielseitigkeit, besonders der Anbau von Gemüse, ist japanischen Einwanderern zu verdanken, die heute den Großmarkt in São Paulo fast völlig beherrschen.
 
São Paulo ist der am höchsten industrialisierte Staat Brasiliens und erzeugt mit rd. 50 % der brasilianischen Industriebeschäftigten fast 50 % aller Industriegüter des Landes; der Großteil der Industriebetriebe ist in Groß-São Paulo konzentriert. Gleichzeitig wird hier fast die Hälfte aller Finanzdienstleistungen Brasiliens erbracht. Der Staat São Paulo besitzt die beste Infrastruktur Brasiliens und ist v. a. verkehrsmäßig gut erschlossen. Hauptausfuhrhafen ist Santos.
 
 
An der Erschließung des Gebiets seit dem 17. Jahrhundert und der Festlegung der Grenzen im Westen und Süden waren v. a. die Sklavenjäger und die indianisch-portugiesische Mischbevölkerung (Mamelucos) beteiligt. Im 18. Jahrhundert umfasste das Gebiet des Kapitanats São Paulo ganz Südbrasilien, im Lauf der Zeit wurden die heutigen südbrasilianischen Gliedstaaten ausgegliedert. Mit Beginn der Masseneinwanderung (1870-1952: 2,5 Mio. Einwanderer) und der zunehmenden Bedeutung des Kaffeeanbaus setzte eine den Nebenflüssen des Paraná folgende Besiedlung und landwirtschaftliche Erschließung ein.
 

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São Pau|lo ['sa:u '-]: Stadt in Brasilien.

Universal-Lexikon. 2012.

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